Wellensittiche zählen seit etwa 170 Jahren zu den beliebtesten Heimvögeln in Deutschland.

Gründe hierfür dürften nicht nur ihr munteres Wesen, sondern auch ihre vermeintliche Genügsamkeit und einfache Haltung sein. Aber wieviel der australischen Urahnen steckt noch in unseren Wellensittichen und wie sollte eine moderne, tiergerechte Haltung der kleinen Papageienvögel aussehen?

Vom Australier zum Europäer

Die Heimat der Wellensittiche (Melopsittacus undulatus) ist Australien. Anfang des 19. Jhd. gelangten erste wissenschaftliche Beschreibungen des Wellensittichs nach Europa, denen bereits 1840 lebende Exemplare folgten. Nachdem die australische Regierung 1894 ein Exportverbot für Wellensittiche erließ, wurde der Bedarf für die Heimtierhaltung nur noch über Nachzuchten gedeckt. Neben einer Vielzahl von neuen Farbschlägen wurden aber auch die Körperform und die Größe durch die Zucht stark verändert. Einige besonders extreme Zuchtformen (u.a. Haubenwellensittiche) gelten heute als Qualzuchten.

Vom Hunger getrieben

Der ursprüngliche Lebensraum der Wellensittiche sind wüstenähnliche Landschaften und Savannen in Zentralaustralien. Dort herrscht ein ständiger Mangel an Nahrung und Wasser, der nur von lokal begrenzten und unregelmäßigen Niederschlägen unterbrochen wird. Wellensittiche sind daher zu einer nomadischen Lebensweise gezwungen, um ständig ausreichend Nahrung zu finden. Dabei legen die Tiere in kleinen Gruppen, teilweise aber auch in riesigen Schwärmen, bis zu 100 km am Tag zurück und können im Flug Geschwindigkeiten von über 100 km/h erreichen.

Bedingt durch die extreme Anpassung an ihren kargen Lebensraum, neigen die kleinen Hochleistungssportler sehr schnell zu einer Verfettung, wenn ihnen zu viel und/oder zu reichhaltiges Futter angeboten wird bzw. die Möglichkeit zum intensiven Freiflug fehlt.

Die richtige Nahrung

Wellensittiche ernähren sich in der Natur hauptsächlich von den Sämereien bodenbedeckender Pflanzen, wie Stachelkopfgräsern („Spinifex“). In menschlicher Obhut sollte sich die Nahrung der Tiere aus einer geeigneten Körnermischung, möglichst viel Frischfutter und Grit, zusammensetzen.

Körnermischungen für Wellensittiche bestehen optimalerweise aus kleinen Sämereien, beispielsweise Hirse, Grassamen und Samen von „Unkräutern“. Fett- oder ölhaltige Sämereien (z. B. Leinsamen, Hanf, Kardi-Saat oder Sonnenblumenkerne) dürfen nur in sehr geringen Mengen angeboten werden. Zudem muss strikt auf die richtige Futtermenge geachtet werden, um ein Verfetten der Tiere zu vermeiden. Als Tagesportion reichen ca. 10 g Körnermischung – dies entspricht ungefähr zwei leicht gehäuften Teelöffeln Körner pro Tier. Wichtig ist, dass die Futtermischung immer ganz gefressen wird, da ansonsten Mangelerscheinungen auftreten können. Als gesunder Leckerbissen kann gelegentlich Kolbenhirse angeboten werden.

Für eine ausgewogene Ernährung ist Frischfutter besonders wichtig. Dabei können Gemüse (z. B. Karotten, Zucchini, Fenchel, Staudensellerie), Kräuter (z. B. Vogelmiere, Löwenzahn, Golliwoog®) und Salate (z. B. Endivie, Chicorée) in unbegrenzten Mengen angeboten werden. Auf Obst sollte wegen des hohen Zuckergehaltes weitestgehend verzichtet werden. Und nicht erschrecken: Als Wüstentiere benötigen Wellensittiche relativ wenig Wasser und scheiden, wenn sie viel Frischfutter fressen, überschüssiges Wasser zusammen mit dem Kot aus. Das ist leicht mit Durchfall zu verwechseln, bei diesen Pfleglingen jedoch ganz normal.

Zur Verdauung und für ein gesundes Knochenwachstum werden zusätzlich Mineralstoffe, sogenannter Grit, benötigt (z.B. Mineralpickstein und Sepiaschale). Vitaminpräparate sollten nur in Absprache mit einem Tierarzt, z.B. während der Mauser oder bei geschwächten Tieren, verabreicht werden. Sauberes Wasser muss den Vögeln immer zur Verfügung stehen, Futter- und Trinkwassergefäße täglich gründlich gereinigt werden.

Platz und möglichst viel Trubel

Bedingt durch ihre Herkunft und natürliche Lebensweise benötigen Wellensittiche vor allem viel Platz zum Fliegen und ständigen Kontakt zu Artgenossen. Daher ist eine reine Käfig- und/oder Einzelhaltung tierschutzwidrig.

Die sozialen Tiere müssen mindestens paarweise, besser in Gruppen ab 4 Tieren, gehalten werden. Dabei lassen sich Männchen häufig einfacher vergesellschaften als Weibchen. Ideal ist die Haltung in einem gut strukturierten und sicheren Vogelzimmer mit vielen Möglichkeiten zum Klettern, Spielen und Fliegen – oder alternativ in einer großen Zimmervoliere (z.B. 200 x 100 x 200 cm) mit täglich mehreren Stunden Freiflug. Wellensittiche können auch problemlos ganzjährig in Außenvolieren mit einem frostsicheren Schutzhaus und ausreichend Schattenplätzen gehalten werden.

Grundausstattung für die tiergerechte Haltung

Für die Einrichtung einer Voliere oder eines Vogelzimmers eignen sich u. a. Naturäste, Leitern, Seile, Schaukeln und Schlaf-/Sitzbretter. Auch eine Bademöglichkeit (Schale oder Badehäuschen) sollte nicht fehlen. Da Wellensittiche alles anknabbern, sollte nur geprüftes oder unbehandeltes Zubehör zum Einsatz kommen.

Zudem benötigen Wellensittiche täglich neue Beschäftigungsmöglichkeiten! Dazu kann Frischfutter an unterschiedlichen Stellen angeboten werden. Auch frische Äste von Laubbäumen (z. B. Haselnussbaum, Weide, Birke) sind, ebenso wie Gräser, unbehandeltes Holzspielzeug, Pappschachteln, Bälle etc. sehr gut geeignet, um für Abwechslung zu sorgen. Die cleveren Tiere reagieren auch sehr positiv auf Clickertraining. Der Fachhandel berät hier gerne. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen empfehlen bei einer reinen Zimmerhaltung eine gezielte und flackerfreie Beleuchtung mit UV-Anteilen sowie den Einsatz von Luftreinigern.

Produkte wie Spiegel, Plastikvögel, Sandpapiermatten oder -überzüge, Rundkäfige, Käfige mit weißen Gittern sowie (schlecht) verzinkte oder mit Kunststoff überzogene Gitter sind tierschutzwidrig und können zu schweren Gesundheitsschäden bei den Wellensittichen führen. Diese Produkte haben daher bei der tiergerechten Haltung von Wellensittichen nichts verloren.

Eingewöhnung der Tiere

Die Eingewöhnung kann in der Voliere oder in einem größeren Vogelbauer erfolgen. Da Wellensittiche auf ungewohnte Reize häufig sehr hektisch reagieren, benötigen die Tiere in den ersten Tagen viel Ruhe, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. Insbesondere in der Eingewöhnungsphase sollten schnelle Bewegungen und laute Geräusche vermieden werden. Leises, ruhiges Ansprechen und/oder leise Musik helfen bei der Eingewöhnung.

Bei jungen Tieren empfiehlt es sich zudem, Futter und Wasser auf dem Boden zu stellen. Sind die Tiere nicht mehr ängstlich, kann versucht werden, ihnen mit der Hand Leckerbissen wie Hirsekolben anzubieten. Eingewöhnten Tieren kann dann Freiflug angeboten werden. Um die spätere Rückkehr in die Voliere zu erleichtern, sollte nur in der Voliere (Körner-)Futter angeboten werden. Wellensittiche können bei richtigem Umgang – auch bei paarweiser oder Gruppenhaltung – sehr zahm werden.

Ein kleiner Tipp: Grundsätzlich suchen Wellensittiche bei Beunruhigung gerne erhöhte Sitzplätze auf. Entsprechend hohe Volieren und/oder hoch angebrachte Sitzmöglichkeiten im Vogelzimmer helfen dabei, Stress zu reduzieren. Auch das häufig zu beobachtende Landen auf dem Kopf der Halterin oder des Halters, lässt sich auf das Sicherheitsbedürfnis der Tiere zurückführen.

Nachwuchs – ja oder nein?

Geschlechtsreife Männchen und Weibchen lassen sich bei den meisten Farbschlägen leicht an der Färbung der Wachshaut am Schnabel unterscheiden: diese ist bei Männchen blau und den Weibchen braun gefärbt. Da Wellensittiche Höhlenbrüter sind, sollten Nistkästen nur angeboten werden, wenn konkrete Zuchtabsichten bestehen und Abnehmer für die Jungtiere vorhanden sind. Denn bedingt durch die unwirtlichen Bedingungen in der Natur, werden Wellensittiche schnell geschlechtsreif und können sich – gute Haltungsbedingungen vorausgesetzt – sehr schnell vermehren. Die Weibchen legen pro Brut 4 bis 6 Eier, aus denen nach ca. 18 Tagen Brutzeit die Jungen schlüpfen. Bereits nach 30 bis 35 Tagen fliegen die Jungtiere aus und das Weibchen beginnt unter Umständen sofort mit der nächsten Brut. Somit kann eine Haltung schnell aus den „Nähten“ platzen. IVH/BNA

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